Das Angeln mit toten Mückenlarven im Winter

  • von Johannes Böhm
  • 13. Februar 2018 um 16:00
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Trotz des kalten Wetters machen wir uns Mitte Januar auf den Weg um mit der Kopfrute noch ein paar Fische zu überlisten. Ich bin an diesem frühen Sonntagmorgen mit der Champions-Team Redaktion zum Fischen verabredet. Kennengelernt haben wir uns bei der Europameisterschaft 2011 in Polen, seitdem waren wir das ein oder andere Mal gemeinsam am Wasser.

Unser Ziel ist der Teltowkanal. So lange hier kein Eis auf dem Wasser ist, fängt man eigentlich immer noch recht gut für diese Jahreszeit, ist es ja gerade mal Mitte Januar. Vor allem kleine Rotaugen aber auch Brassen werden hier Gäste unseres Futterplatzes werden. Das Wetter ist nicht schlecht, Sonne überwiegt, ab und an wird sie von Wolken verdeckt. Wir haben eine Außentemperatur von ca. -2°C, man kann also schon von ziemlich frisch sprechen. Der Teltowkanal ist ca. 3,50 m tief, die Strömung ist nur durch das Schleusen und durch das Fahren von Schiffen existent. Wir sitzen auf einer Art mit Gras bewachsenen Spundwand, das heißt direkt am Ufer ist es ähnlich tief wie in der Mitte des Kanals. In Zahlen ausgedrückt heißt das, auf der 11 m Bahn ist es ca. 20 cm tiefer als direkt an der Spundwand.

Wir entscheiden uns für eine wenig sättigende und trotzdem erfolgsversprechende Futtermischung. Das Grundgerüst unseres Futters bildet eine 2kg Tüte G5 von Marcel van den Eynde. Das naturbelassene, braune Futter ist ein idealer Begleiter für das Fischen auf Rotaugen und kleinere Brassen. Für die nicht Englischsprachigen hier auch die Übersetzung von der Tüte. Roach steht Englisch für das Rotauge oder die Plötze. Skimmer ist ein Ausdruck generell für den kleinen Weißfisch, treffender aber eher für den kleineren, oft verbutteten Brassen.

Heute im Einsatz: Das G5 von Alan Scotthorne aus dem Hause Marcel van den Eynde

Die 2 kg Futter rühre ich, nach der Zugabe von etwas schwarzer Farbe in drei Schritten mit der Hand an, gebe dem Futter nach der ersten Befeuchtungsphase mit ca. 1 l Wasser 15 Minuten Zeit zum ziehen, dann gebe ich noch einmal 250 ml Wasser nach und befeuchte es danach nur noch mit der Sprühflasche. Zum Schluss reibe ich es durch ein 3 mm Sieb.

Angefüttert wird mit einem Futter/Erde Gemisch (links) und purer Erde (rechts)

In das fertig angemischte Futter geben wir dann noch einen 2 kg Beutel „damp leam“ von van den Eynde dazu. Dieses dient der Beschwerung, damit das Futter nicht durch den Sog einer großen Schubeinheit davon gespült wird sondern in unserem Angelbereich liegen bleibt.

Die dunkle Farbe ist nicht weniger wichtig. Hier im Teltowkanal gibt es auch einen ausgezeichneten Raubfischbestand, gerade kleinere Fische sind ein gefundenes Fressen für Hecht, Barsch und Zander. Unser Futter ist deshalb dunkel, damit die fressenden Weißfische sich nicht vom natürlichen dunklen Grund abheben und so ein schnelles Opfer für einen Räuber wären. Neben der Futter/Erde Mischung haben wir auch noch separat etwas Erde für das Füttern der Mückenlarven übrig behalten. 

Dadurch bedingt, dass viele Friedfischangler in den Wintermonaten weniger häufig zum Fischen ans Wasser fahren ist auch das Erwerben von Mückenlarven deutlich schwieriger. Mein Tipp daher: Ich friere mir immer über den Sommer die übrig gebliebenen kleinen Mückenlarven ein. So hat man, wenn es mal Schwierigkeiten bei der Beschaffung frischer Mücken geben sollte, immer ein paar gefrostete Mückenlarven zur Hand. Die sind zwar im Gegensatz zur frischen, sich bewegenden Larve nur ein Ersatz, aber besser als gar keine Mücken sind sie allemal. Ich nehme die gefrorenen Mücken morgens aus dem Tiefkühlschrank und auf der Fahrt zum Wasser sind sie in der Regel an der warmen Heizung aufgetaut. Wer einen kürzeren Weg zum Wasser hat, nimmt sie am besten am Abend vorher aus dem Gefrierschrank.

Am Wasser angekommen gebe ich auf die doch matschigen und aus der ursprünglichen Form gekommenen Mücken eine gute Portion extra trockenen Lehm und trenne diese durch Reiben und Vermischen. Der eigentliche Trick die Mücken gänzlich zu trennen ist dann das Mücken/Lehm Gemisch durch ein Sieb zu sieben. Einfach die Mücken auf das Sieb schütten und immer hin und her rütteln. Das Resultat sind einwandfrei getrennte Mücken.

Die frisch aufgetauten Mückenlarven sehen noch nicht sehr appetitlich aus und müssen getrennt werden

Das Problem mit den großen Mücken kann man auf zwei verschiedenen Wegen lösen. Zum Einen gibt es in vielen Zoo-Fachgeschäften die Möglichkeit, kleine Portionen Jumbo’s  in sogenannten Schläuchen zu erwerben.

Als Hakenköder sind große Mückenlarven unverzichtbar

Zwar lässt oftmals die Anzahl etwas zu wünschen übrig, allerdings ist die Qualität nicht schlecht.

Ich bevorzuge die Variante des Hälterns der großen Mückenlarven. Einmal im Monat oder auch noch seltener bestelle ich mir einen halben Liter und hältere diese dann zu Hause in der Garage im Wasser. Das ist eine gute Möglichkeit immer ein paar Hakenmücken zur Verfügung zu haben.

Alle2-3 Tage lasse ich die Tierchen durch ein 3 mm Sieb laufen und wechsle das Wasser. Natürlich sterben von Zeit zu Zeit ein paar Mücken und bleiben auf dem Sieb liegen, 4 Wochen reichen sie aber allemal. Für den Transport zum Wasser verwende ich dann entweder eine mit Wasser gefüllte große Getränkeflasche oder eine wasserdichte Tupperdose mit Gummidichtung.

Meine Montagen sind sehr einfach gehalten. Zum Einen verwende ich eine Tubertini Pro 10, in meinen Augen hat sie die perfekten Eigenschaften für das Fischen mit der Mückenlarve. Der Körper ist zwiebelförmig, der Kiel aus dünnem Stahl. Die Antenne aus sehr feinem und sensiblen Glasfaser, trotzdem ist sie durch die grelle Lackierung sehr gut sichtbar. Ausgebleit ist sie sehr sensibel mit drei 11er Schroten im Abstand von je 10 cm und darüber mit einer Bleikette bestehend aus 8er Schroten. Die Vorfachlänge beträgt 20 cm. Zum Anderen verwende ich für die Strömungsphasen, das heißt, wenn geschleust wird, einen Cralusso Shark in 2,0 g. Dieser steht sehr stabil im Wasser und stellt sich bei der leichten Strömung nicht so schnell schräg wie die zwiebelförmige Pose. Bebleiung und Vorfachlänge sind identisch.

Der Cralusso Shark zum blockierten Fischen und die Tubertini Pro 10 für die ganz feinen Bisse

Als Haken verwende ich den Tubertini Serie 4, ein sehr dünndrähtiger, leichter und trotzdem stabiler Haken. Problemlos kann ich die Mückenlarven anhängen ohne dass sie zerlaufen, aber es ist auch wichtig, dass ich mit dem Haken keine Fische verliere. Oft höre ich das Problem, dass Leute bei wichtigen Veranstaltungen Fische verlieren, gerade dann wenn man mit feinen Haken angeln muss. In meinen Augen ist das immer eine Abstimmungsfrage zwischen Haken, Gummizug und Intensität des Ziehens. Der Tubertini Serie 4, ein orangenes Vespe Gummi in 0,75 mm und ein langsames Drillen der Fische hat mich an diesem Tag nicht einen einzigen Fische verlieren lassen. Der Gummi feedert jede Flucht des Fisches, jedes Schlagen mit dem Kopf ab und verhindert so ein Ausschlitzen des Fisches.

Genug zur Vorbereitung, das Füttern kann beginnen:

Zur Anfangsfütterung füttern wir drei Bälle Erde mit unseren toten Mücken und einen Ball Futter-Erde Gemisch für die Aktivität am Grund. In den Futterballen gebe ich eine kleine Portion Pinkies hinzu, ca. so viele wie ich mit drei Fingern greifen kann.

Drei Kugeln pure Erde mit toten Mückenlarven, ein Ball Futter/Erde Gemisch mit Pinkies

Alle vier Bälle schiebe ich mit dem Polecup auf meinen Futterplatz. Das ist einfach eine Frage der Genauigkeit. Ich lasse sie ca. aus einem Meter Entfernung zur Wasseroberfläche aus dem Polecup fallen, das Geräusch ist nicht kontraproduktiv, es lässt die Fische hören, dass jetzt der Tisch für sie gedeckt wird.

Zu Beginn des Angelns fangen wir zuerst Rotauge auf Rotauge. Für die Jahreszeit wirklich ein perfekter Start. Ich füttere alle 15 Minuten einen Tischtennisball großen Futterballen mit Pinkies und einen Erdballen mit toten Mücken der gleichen Größe nach, um die Fische bei Laune zu halten und sicher zu stellen, dass sie zu jeder Zeit etwas zum Fressen finden.

Einige lose Pinkies kommen auf den Futter/Erde Ball Ein weiterer Brassen kurz vor der Landung
Mittlere Brassen dieser Größe sind heute die Hauptfische

Mit zunehmender Angelzeit finden sich  immer mehr Brassen auf unserem Futterplatz ein. Um diese zu halten und nicht wieder die Rotaugen anzulocken kommt es jetzt entscheidend auf den Futterrhythmus an. Ich erhöhe den Rhythmus auf alle 10 Minuten einen Erdballen mit Mücken und lasse das aktivere Futtergemisch ganz weg. So gibt es keinerlei aufsteigende Partikel mehr am Grund und es ist garantiert, dass die Brassen ruhig die am Grund liegenden Mücken einsammeln können.

Ein volles Netz schöner Rotaugen und Brassen

Insgesamt angeln wir ca. drei Stunden. Die Bilder sprechen für sich, wir hatten wirklich einen tollen Angeltag. Rotaugen und Brassen sind ca. zu gleichen Stückzahlen im Netz. Ich wünsche allen eine tolle Winterzeit, bis bald am Wasser.

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