Die Sache mit dem Haken!

  • von ct Redaktion
  • 20. März 2018 um 14:00
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Ich beschäftige mich mittlerweile seit vielen Jahren intensiv mit unserem Hobby, aber wirklich viele Gedanken über die Auswahl meiner Haken habe ich mir noch nicht gemacht. Ich vertraue einigen Hakenmodellen, ob diese Auswahl dieser Modelle sinnvoll ist, dass kann ich nicht wirklich sagen.

Eine Hakenauswahl vom Autor


Vorweg mache ich mir einige grundsätzliche Gedanken über das Anforderungsprofil an Haken.


1. Der Haken soll mir vor allem helfen, den Fisch, der an diesem hängt sicher und möglichst schonend zu fangen.
2. Der Haken soll stabil genug sein um jeden Fisch zu landen, aber auch fein genug um möglichst viele Fische zum Anbiss zu überreden.
3. Der Haken soll dazu noch die richtige Dimension haben um meinen Köder perfekt aufzunehmen.

unterschiedliche Hakentypen für unterschiedliche Anforderungen


Nur 3 Punkte in der Anforderung, da sollte die Auswahl des richtigen Haken eigentlich kein Problem sein. Warum gibt es dann aber so viele unterschiedliche Hakentypen, Hakengrößen und Hakenformen? Ich vermute die Antwort auf diese Frage lautet „ Weil es Sinn macht“, denn die großen Evolutionen in der Entwicklung der Haken fanden in den letzten Jahren nicht statt, so dass das vorhandene Portfolio an verfügbaren Haken seit Jahren etabliert ist und sich bewährt hat.


Es gilt also sich weitere Gedanken zum Haken und der Berechtigung der unterschiedlichen Formen und Größen zu machen!


Was sind die charakteristischen Merkmale eines Haken?


⦁ Hakengröße
⦁ Hakendicke
⦁ Hakenform
⦁ Hakenfarbe

Diese einzelnen Faktoren gilt es jetzt mit den unterschiedlichen Arten der Angelei unter einen Hut zu bringen. Sind die Anforderungen an einen Feederhaken die gleichen Anforderungen, wie für einen Haken an der Kopfrute? Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen den Haken an der Rollenrute ( Feeder, Match und Bolorute )?
 Beim Zusammenstellen der einzelnen Faktoren wird mir als Autor relativ schnell klar, dass die Variationsmöglichkeiten sehr groß sind und die Antwort auf die Frage nach der Daseinsberechtigung der vielen unterschiedlichen Haken wohl schon jetzt mit „ist gegeben“ beantwortet werden kann.

Gehen wir jetzt aber die Charakteristika der Haken durch:


 Hakengröße: Dies ist die Gretchenfrage aller Angler. Von dem Tag an, an dem wir mit dem Angeln begonnen haben, stellten wir uns die Frage, ob die Hakengröße richtig gewählt ist. Sicherlich hat sich die Richtung der Fragestellung mit den Jahren etwas gewandelt, aber diese Frage ist auch nach vielen Jahren immer noch eine Kernfrage und erst vor wenigen Wochen habe ich durch die Wahl eines zu großen Hakens bei einem Fischen das Nachsehen gehabt. Was ist generell bei der Wahl der Hakengröße zu beachten? Am Wichtigsten ist sicherlich, dass der Fisch kein Misstrauen gegen den Haken empfindet, der Haken sollte also nicht zu groß sein. Dieses Empfinden des Misstrauens ändert sich übrigens sehr häufig während des Fischens. Nehmen die Fische zu Beginn des Angelns den Köder noch sehr zutraulich auf, so werden sie im Laufe des Fischens immer zögerlicher. Bei dem Fischen vor wenigen Wochen war ein 18er Haken in der ersten Stunde vollkommen in Ordnung, in der zweiten Hälfte des Fischens bekam ich auf diesen Haken aber keinen Biss mehr. Ein einfacher Tausch auf einen 22er Haken, ohne das Ändern eines anderen Faktors brachte mit sofort wieder Bisse und Fische. Warum fange ich dann eigentlich nicht gleich immer mit einem Minihaken an? Nun, zum einem bekomme ich auf einen Minihaken nicht immer den gewünschten Köder, etwas übertrieben kann man sich vor Augen führen, wie das Beködern eines 22er Häkchens mit 2 Dendrobenas aussehen würde?

12-14-16-18 was ist die richtige Groesse?

Zum Anderen ist die Gefahr einen großen Fisch an einem kleinen Haken zu verlieren um einiges größer als bei der Wahl eines größeren Hakens. Dieser Gedanken ist von einfacher Physik geprägt, denn je kleiner die Fläche ist auf der ein großer Druck ausgeübt wird, desto größer ist die Chance das die kleine Fläche dem großen Druck nachgibt ( Hakenbruch oder auch das Ausschlitzen). Als konkretes Gegenbeispiel zu dem oben auf geführten Beispiel fallen mir einige Feederangeln auf Rotaugen ein. Wie ich es von der Kopfrutenangelei gewohnt war, probierte ich möglichst kleine Haken beim Feedern zu verwenden. Das Resultat war, dass ich kaum einen Biss verwerten konnte, während meine Nachbarn welche mit einem richtig großen Greifer geangelt haben, die Rotaugenbisse mit Leichtigkeit verwerten konnten. Es gibt also in Bezug auf die korrekte Hakengröße keine „richtige“ Antwort, die richtige Hakengröße muss von Fall zu Fall ermittelt werden.


⦁ Hakendicke: vermutlich der am meisten unterschätze Punkt bei der Wahl unseres Hakens. Ich persönlich habe mir über diesen Punkt bis vor vielleicht knapp einem Jahr überhaupt keine Gedanken gemacht. Aber dann / Internet sei Dank / habe ich bei youtube einen interessanten Beitrag von einem Karpfenangler angeschaut. Generell kann man sagen, dass die Karpfenangler unserem Stippern in Bezug auf Professionalität um Längen voraus sind, aber zum zurück zum Thema. In diesem Beitrag hat der Autor sich Gedanken über den Haken gemacht. Unter anderem war in einem Unterwasservideo zu sehen, wir die Karpfen nur Köder fraßen, die sich nach dem Anblasen mit einem Wasserstrahl ( aus dem Karpfenmaul ) natürlich verhielten. War der ausgewählte Haken zu dick und zog den Köder wie ein Anker auf den Grund, so wurde dieser Köder komplett ignoriert und es gab keinen EINZIGEN Biss.

unterschiedlich schwere Feederhaken der Gr.14- der linke Haken wiegt nur knapp 50% vom rechten Haken

Dieses Verhalten muss für mich beim Stippen ähnlich sein, man muss sich nur den Extremfall, dass Angeln mit den Mückenlarven vor Augen halten. Die Fische lieben diesen Köder, aber der Köder sollte sich natürlich verhalten. Dazu sollte die Mücke noch intakt sein und nicht ausgelaufen, ausserdem sollte die Mückenlarve in ihrer Bewegung nicht zu stark eingeschränkt sein und verführerisch über den Boden „tanzen“. Damit diese beiden Bedingungen gegeben sind, sollte der Angler einen Haken verwenden, der nicht zu „dick“ ist. Ein anderes Beispiel, wir angeln auf kleine Rotaugen oder Skimmer mit einem Caster oder einem Pinki, welches langsam zu Boden sinkt, hierzu haben wir kleine 12er oder 13er Fallschrote gewählt, damit der Köder möglichst natürlich zu Boden sinkt. Damit dieser Vorgang möglichst homogen abläuft, sollte der Haken nicht zu schwer sein. Das Gewicht des Hakens wird hierbei durch die Größe des Hakens aber auch durch den Materialeinsatz, also der Dicke des Hakens bestimmt. Bis zu diesem Punkt könnte man der Annahme sein, dass ein dünner Haken die Lösung auf alle Fragen ist. Ein dünner Haken hat aber auch Nachteile, z.B. ist ein dünner Haken nicht sonderlich verwindungsstabil. Wozu ist dies wichtig? Bei Anschlägen über eine größere Distanz oder in einem harten Fischmaul ( z.B. Barsche) muss der Haken stark genug sein um in das Fischmaul einzudringen, ohne das er sich verbiegt. Verbiegt sich der Haken, dann dringt er nicht richtig in das Maul ein und die Chance den Fisch im Drill zu verlieren ist deutlich erhöht. Dazu hat ein „dicker“ Haken natürlich den Vorteil, dass er mehr Kraft als ein dünner Haken aufnehmen kann, ohne zu brechen oder aufzubiegen. Beim Feederangeln spielt das Gewicht das Hakens eine fast noch größere Rolle. Viele Fische fressen nicht vom Grund, sondern schnappen sich nur die Köder und Partikel, die über den Grund schweben. Ein schwerer, passiver Feederhaken welcher „tot“ am Grund liegt, wird diese Fische nicht fangen. Die Lösung für dieses Problem ist eine ausgedehnte Absinkphase des Vorfachs, hierzu sind leichte / schwebende Köder wie schwimmende Maden und ein leichter Haken unablässlich. Unter diesen Gesichtspunkten sollten sich Feederangler Gedanken über das Gewicht Ihres Hakens machen und mit möglichen Modellen im Flachwasser „spielen“ um das Absinkverhalten kennenzulernen.
Im Folgenden haben wir einige Hakenmodelle exemplarisch vermessen und das Gewicht und die Schenkeldicke vermessen.


Feederhaken (Größe 14)
      Sensas 3080    Gewicht 15mg  Materialdicke 0,4mm
      Gamakatsu 1810B   Gewicht 9mg Materialdicke 0,33mm
      Drennan Carbon Feeder Gewicht 19mg Materialdicke 0,48mm

Mückenhaken ( Größe 20)
      Sensas 3532   Gewicht 3,3mg Materialdicke 0,23mm
      Sensas 3405   Gewicht 4mg Materialdicke 0,285mm
      Kamasan B512   Gewicht 3,8mg Materialdicke 0,275mm

v.l. Sensas 3525, Kamasan B512 und Sensas 3405


Sicherlich sind dies alles sehr kleine Werte, prozentual sind die Unterschiede aber wirklich groß. Bei den Feederhaken beispielsweise ist der 1810B wirklich sehr schön leicht und hat eine tolle Form für Brassen und andere große Fische, allerdings hatte ich bei zu hartem Gerät oft das Problem, dass der Haken beim Feedern aufgebogen ist. Der 3080 ist deutlich schwerer, ich bekomme auf diesen Haken allerdings oft weniger Bisse. Seit einiger Zeit Fische ich den 1810B nur nur an weicheren Ruten ( und damit nicht im schnellen Wasser und auf weiten Entfernungen) und verliere kaum noch Fische. Im schnellen Wasser setze ich dagegen lieber auf den 3080 und verliere auch dort kaum Fische.

Bei den Mückenhaken angele ich z.B. sehr weiche Gummizüge am dünnen 3532, die dünnen Gummizüge sorgen dafür, dass der 3532 nicht aufbiegt. Zusammen mit dünnen Hollows lassen sich übrigens auch richtige dicke Fische mit dem 3532 fangen! Sind allerdings viele Barsche zu fangen, dann nehme ich lieber den B512 oder den 3405, der Grund hierfür liegt in dem Fakt, dass das Barschmaul zu hart für den dünnen Schenkel des 3532 ist und dieser daher oft aufbiegt.


⦁ Hakenform: Schwer zu beschreiben und trotzdem wichtig! Da die Hakenform als Ganzes schwer zu beschreiben ist, unterteilen wir den Haken in einzelne Regionen. Da ist zu einem der Hakenschaft, dann der Hakenbogen und zu guter Letzt die Spitze des Hakens. In Bezug auf die Hakenform ist für mich vor allem der Zielfisch ausschlaggebend. Ist mein Zielfisch ein Fisch mit einem großen Maul, oder angele ich auf einen Fisch mit einem kleinen Maul. Bei einem Brassen oder gar Karpfen ist der Durchmesser des Hakenbogens nicht wirklich relevant, denn diese Fische haben ein breites Maul und es gilt eher die Kräfte der Fische im Drill standzuhalten, hier ist ein breiter Haken mit einer gebogenen Hakenspitze die richtige Wahl.

Ein Feederhaken für große Fische

Bei einem Rotaugenhaken sieht es schon anders aus. Die Rotaugen haben ein kleines, enges Maul und üben in den kleineren / normalen Größen keine große Kraft aus. Aus diesem Grund haben die Rotaugenhaken meistens einen kleinen, engen Hakenbogen, dieser Hakenbogen „passt“ besser in das Fischmaul und kann so von den Fischen aufgenommen werden. Der Hakenschaft spielt für zwei Punkte eine wichtige Rolle. Zu einem ist der Schaft für die Balance des Hakens wichtig, ein Haken sollte nicht zu kopflastig sein, da er sonst beim Anhieb nicht richtig „gesetzt“ werden kann. Beim zweiten Punkte dient der Schaft als „Griffpunkt“ beim Lösen des Hakens. Angelt man auf sehr viele Fische und der Faktor Geschwindigkeit ist ausschlaggebend. Ukeleihaken haben aus diesem Grund meistens einen eher langen Schaft   (und kurzen Hakenbogen da die Ukelei ein kleines Maul haben). Der Angler kann diesen Schaft greifen und den Haken lösen. Dies geht deutlich schneller als beim Lösen mit Hilfe des Hakenlösers.

Ein Speedhaken - langer Schaft, kurzer Bogenerschiedlichen Hakenfarben


 Hakenfarbe: In fast allen Fällen spielt die Hakenfarbe eine untergeordnete Rolle, aber sie generell zu vernachlässigen, halten wir für falsch. Werfen wir einen Blick auf die verfügbaren Farben.

Eine kleine Auswahl von unterschiedlichen Hakenfarben


⦁ Metallic: in einem Gewässer mit etwas Trübung, oder aber sehr niedrigen Befischungsdruck ist diese Farbe absolut i.O. In sehr klaren Gewässern können die Reflektionen des Hakens vorsichtige Fische verscheuchen.
⦁ Bronze: etwas dezenter als ein Haken mit einer Metallicfarbe
⦁ Schwarz: Dort wo ein Metallichaken an seine Grenzen stößt, hat der schwarze Haken seine Stärken.
⦁ Rot: Gerade wenn mir Mückenlarven geangelt wird, ist ein roter Haken oftmals der Unterschied zwischen Erfolg oder Misserfolg.
⦁ Grün: ähnlich unscheinbar wie ein schwarzer Haken und im Winter auf der britischen Insel sehr beliebt. Der Green Gamma von Gamakatsu ist sicherlich einer der berühmtesten grünen Haken,
⦁ Gold: Goldene Haken können im Herbst ein wirklicher Geheimtipp für das Angeln auf Rotaugen und Rotfedern sein. Es gibt Tage, an denen übt das Blitzen des fallenden Haken einen unwiderstehlichen Reiz auf Rotauge und Co aus.

Wenn wir uns die einzelnen Parameter vor Augen führen, ist die Wahl des richtigen Hakens sehr komplex und für einen Laien nur schwer zu „greifen“.
Wir möchten an dieser Stelle noch den Ansatz publizieren, der in England sehr populär ist. Dieser Ansatz verfolgt die grundsätzliche Ausrichtung, dass die Hakengröße nicht vom Fisch, sondern vom Köder abhängt. Dass sich die Briten über Hakendicke und Hakenform gesondert Gedanken machen, das versteht sich von alleine.

Größe 26                              Joker, Bloodworm
Größe 24                        Joker, Bloodworm, Squatts
Größe 22                         Squatt, Bloodworm, Pinki
Größe 20                  2 X Pinkis, Made, Caster, Brot, Hanf
Größe 18                  Made, Caster, Brot, Rotwurm, Hanf
Größe 16  2 x Maden, 2 x Caster, Brot, Rotwurm, Mais, halber Dendro
Größe 14  3 x Maden, 2, Maiskorn, Dendrobena, Wurm / Mais / Made Mix
Größe 12  Köderbündel bis zu 5 x Made / Caster, 3 Rotwürmer, 2 Dendros

Gerade für das Angeln mit den Posenruten passt dieser Ansatz sehr gut, für das Feederangeln sollte man etwas flexibeler sein und durchaus auf deutlich größere Hakenmodelle zurückgreifen. Im Großen und Ganzen ist dieser Ansatz sicherlich ein hilfreicher Ansatz, gerade für die Angler unter uns, die noch relativ „frisch“ in unserem gemeinsamen Hobby sind.
 

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